Du weißt nicht worum es geht. Das ärgert dich so richtig!

© Unbearbeitetes Original-Foto von Alex Blăjan auf Unsplash.com

Was ist der Unterschied?

Auf der rechten Seite steht ein designtes, gelbes Sofa.

Auf der linken Seite liegt die DVD eines richtig guten Films.

Was ist der Unterschied?

 

Die Schulglocke leutet.

Die Lehrerin stellt ihre Tasche auf das Pult.

Und die Klasse verstummt erwartungsvoll…

„Was“, fragt die Lehrerin und macht eine Pause:

„Was braucht man für eine richtig gute Geschichte?“

Der Finger eines Schülers geht hoch:

„Ich weiß es. Ich weiß es!“

Doch den Lautesten überhört die Lehrerin immer sofort.

Erst nach dem jeder andere Schüler…

Jeder Einzelne!

Erst nach dem jeder andere Schüler eine falsche Antwort gegeben hat, nimmt sie ihn dran:

„Es sind zwei Dinge Frau Lehrerin.

Das eine ist ein Stift und das andere ist ein Papier!“

 

 

 

Soll ich dir sagen, was der Unterschied ist?

Zwischen dem Sofa und dem Film?

Soll ich es dir sagen?

 

 

Vor etwa 70 Jahren gab es einmal einen Möbeldesigner.

Sein Name war Archibald Rektor.

Nachdem er sich im Urlaub beide Hände gebrochen hatte, konnte er das Haus nicht mehr verlassen.

Doch am gleichen Tag traf ihn ein Geistesblitz:

Die perfekte Idee.

Das ideale Möbelstück.

Ein Sofa.

Es schwebte förmlich vor ihm.

Und er wusste:

Es wird weltbekannt werden.

Jeder der es sieht – wird davon bereichert!

Moment!

Vor 70 Jahren?

Weltbekannt?

Warum hast du dann noch nichts davon gehört?

Archibalds Sofa hätte wirklich berühmt werden können.

Aber.

Er hatte nur einen Stift und ein Papier dabei.

Und seine Hände waren gebrochen…

 

Langsam kommen wir der Sache näher.

Kannst du jetzt die Frage beantworten:

Den Unterschied?

Ein Sofa und ein Film?

Die erstaunliche Wahrheit ist:

Es gibt keinen!

 

Zur gleichen Zeit.

Nur 200 Kilomenter entfernt.

Hatte sich ein Drehbuchautor beide Beine gebrochen.

Er hieß Frank Newman.

Auch ihn traf ein Geistesblitz.

Es musste wohl das gleiche Gewitter gewesen sein.

Anstatt eines Möbelstücks hatte er:

DIE Filmidee.

Und auch er hatte Stift und Papier zur Hand.

Und er schrieb.

Es wird ein weltbester Film!

Er wusste es.

Und er schrieb!

Und schrieb…

Das ist jetzt ebenfalls 70 Jahre her.

Und?

Kennst du seinen Film?

Kleiner Tipp:

Der Film ist berühmter als Herr der Ringe, Game of Thrones und Star Wars zusammen!

Weißt dus jetzt?

Immer noch nicht?

Das liegt vielleicht daran, dass es den Film nie gegeben hat.

Aber warum?

Warum?

Es war doch alles da!!!

Genau wie bei dem Möbelstück…

 

Vielleicht ist es dir schon aufgefallen.

Die Antwort des Schülers mit „Stift und Papier“ war falsch.

(Und ja, ich war früher damals auch der Überzeugung.

Aber die Szene mit mir und der Lehrerin war ganz anders.)

Dabei spielt es erst mal keine Rolle ob man jetzt Hände zum aufschreiben oder Beine zum hinaustragen hat.

Wenn dir aber aufgefallen ist, dass es nicht Stift und Papier sind… dann ist dir vielleicht etwas anderes aufgefallen…

Beide.

Das Sofa und der Film.

Beide haben mit einer Sache begonnen:

Und nein!

Ich meine jetzt nicht den Geistesblitz!

Aber die Idee!

Und trotzdem.

Trotz der Idee haben es beide nicht zu Ende geschafft.

Warum nur?

Warum?

 

Nähern wir uns mal weiter der Sache an:

Ein Sofa und ein Film.

Beide sind…

(von Dem genialen Ausmaß)

…Kunst.

Wirklich gute Kunst.

Aber für die Fertigstellung dieser Kunst reicht die Idee nicht.

Ein Stift und ein Papier können helfen.

Aber auch das reicht nicht.

Und ich rede auch nicht davon, wie man es schafft später das fertige Produkt unter die Leute zu bringen.

Ich rede vom Prozess!

Davon, was das Werk wirklich ausmacht!

 

Das beste Sofa, dass es nie gegeben hat.

Der beste Film, den es nie gegeben hat.

Warum ist beides nicht fertig geworden.

Weil es richtig gute Kunst ist.

Und richtig gute Kunst ist vielschichtig und komplex.

 

Tun wir mal so, als wäre beides wirklich fertig geworden.

Und schauen es uns an:

Was am Sofa ist Kunst?

Wo hat nur jemand ein Bein geschliffen und eine Naht gekonnt versteckt?

Und wo steckt die wirkliche Kunst drin?

Wie beim Archtiketen und beim Designer.

 

Oder beim Film:

Was ist hier die Kunst?

Wo hat jemand nur etwas gut geschnitten und sich ein schönes Kostüm ausgedacht.

Und wo steckt hier die wirkliche Kunst drin?

Wie im Schauspiel, in der Regie und beim Autor.

Fällt dir was auf?

 

Ein Zweiklassendenken 🙂

Zwar baut oft alles auf die Grundvision eines Storytellers auf (und dafür liebe ich diese Berufung).

Aber trotzdem ist der Storyteller längst nicht der Einzige, der die Geschichte erzählt:

 

Nicht nur jemand oder etwas.

Alles daran ist Kunst!

 

Denn alle.

Alle tragen ihren Teil dazu bei, dass es NICHT nur EIN Kunstwerk wird.

Sondern.

Dass es DAS EINE Kunstwerk wird.

Der allerbeste Film.

Das allerschönste Möbelstück.

 

Du hast dir diesen ganzen Text durchgelesen.

Du wolltest nur eine Frage wissen:

Worum geht es auf diesem Scheiß-Blog 😛

Es geht halt immer um die Story!

Wirklich.

Hier dreht sich alles ums Storytelling.

Aber ohne all den Vorlauf hättest du gedacht:

Storytelling ist etwas eindimensionales.

Storytelling ist eine Idee.

Nein.

Nein!

Nein!!!

Storytelling nicht nur die Idee.

Storytelling ist auch die Umsetzung!

 

Und du machst dir keine Gedanken, was diese Umsetzung auch alles sein kann:

 

  • Ganze Figuren können durch ihr Kostüm charakterisiert werden.
  • Spannung kann durch schnelle Bildschnitte enstehen.
  • Musik lässt unsere Gefühle im entscheidenden Moment pulsieren.
  • Und angeschrägte Kamereinstellungen rufen mulmige Gefühle in uns hervor.

 

Darum geht es.

Genau darum geht es auf dieser ganzen Seite.

Diesem ganzen Blog.

Alles ist Storytelling.

Und ob ich jetzt ein Film schreibe, ein Theaterstück spiele oder einen Fließtext schreibe – so wie hier jetzt.

Alles was die Story voranbringt.

Alles was die Grundvision unterstützt.

All das.

Ist die Story.

All das unterstüzt allein dadurch wie es gemacht wird, wofür es gemacht wird.

Für die Story.

Ich habe diesen Blog gestartet um all diese Mechanismen zu untersuchen, anzuwenden, und…

Und um sie aufeinander zu übertragen:

 

Filmstilmittel auf Fließtexte.

Designregeln auf Sprache.

Improvisationstechniken auf Schreibblockaden.

 

Alles ist eine Story.

Alles ist übertragbar.

Und darum geht es hier.

Also denke nicht zu eindimensional, wenn ich dir noch einmal stolz präsentiere:

Auf dieser Homepage geht es um eins:

Ums Storytelling!

Kommentiere und bleib jung! Weder du noch dieser Artikel sind zu alt dazu. Kommentiere :)

Kommentieret :)

Benachrichtige mich zu: